AKTUELL: Vortrag am nächsten Samstag

«Der Landsturm muss photographiret sein!»

Bildergeschichten zum Schweizer und Schwyzer Militär- und Schützenwesen im 19. Jahrhundert.

Eine Fotografie sagt manchmal mehr als Worte – nicht zuletzt über die Absicht des Fotografen. Ein Vortrag im Bundesbriefmuseum geht dem politischen und gesellschaftlichen Umfeld von Fotografien aus dem Militär- und Schützenwesen auf die Spur.

Licht und Schatten

Das Gute steckt im Detail: eine genaue Betrachtung einer historischen Bildquelle kann das militärische, politische, gesellschaftliche und mentale Umfeld der Fotografie erschliessen. Dabei tritt viel Licht, aber auch Schatten zutage: beispielsweise zeigen Fotos an Tagen der Ausrüstung und Bewaffnung von Schwyzer Landsturm-Truppen in Lachen und Wollerau Ende Februar 1893 eine bewusste Inszenierung von militärischen Werten und Kultur. Die Bilder sind ein Beispiel für die Militarisierung der Schweizer Gesellschaft Ende des 19. Jahrhunderts im Sinne einer «Volkswehr». Hingegen blenden die Aufnahmen Militär- respektive Bundeskritisches im Kanton Schwyz aus.

Die detaillierte Betrachtung historischer Fotografien zum Rütlischiessen eröffnet auch Einblicke in identitätsstiftende, politische, militärische und soziale Funktionen dieser patriotischen Feier als Erinnerungsort des «Rütlischwurs». Aus aktuellem politischem Anlass schlug man Brücken in die «heldenhafte Gründungzeit der Eidgenossenschaft» und entgegnete dem Eigennutz und Egoismus den «Rütligeist».

«Neuer preussischer Geist»

Den dahinter steckenden Leitbildern kommt man unter anderem mit Porträt-Fotos von aus Preussen in die Schweiz geflüchteten, liberal-radikalen Militärwissenschaftlern sowie mit politischen Karikaturen auf die Spur. Diese vermitteln die «preussische» Vision einer Einheit von Männer-, Staatsbürger- und Soldatenstaat. Solche Bestrebungen und entsprechende Militärreformen Ende des 19. Jahrhunderts stiessen aber auf den Widerstand katholischer und welscher Kantone.

Schwyzer Landsturm-Infanteristen samt Musik 1893
vor der imposanten Pfarrkirche St. Verena in Wollerau.

Im Zentrum des Vortrages des wissenschaftlichen Archivars Ralf Jacober stehen Bildergeschichten, die sich insbesondere auf das Schwyzer und Schweizer Militär- und Schützenwesen im 19. Jahrhundert konzentrieren.

Der Vortrag findet am nächsten Samstag, 17. Februar, um 10.15 Uhr im Bundesbriefmuseum statt. Der Eintritt ist frei.